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Die history des Internet

 

Inhalt

- once upon the time: die Rand Corporation steht vor einer schwierigen Aufgabe
- 1957: Advanced Research Projects Agency als Antwort auf den Sputnik-Schock
- 1964: Paul Baran publiziert On Distributed Communications Networks (die Theorie paketvermittelter Netze)
- Adressen im Netz
- Das Routing
- Die Sixties - Verbreitung der Idee an amerikanischen Universitäten und Leonard Kleinrock's Dissertation zu paketvermittelten Netzen
- 1968: Hardwareunbhängigkeit durch Entwicklung des Interface Message Processor (IMP)
- 1968: der erste Test mit paketvermittelten Netzwerk läuft in... UK beim National Physical Laboratory!
- 1968: Im Resource Sharing Computer Networks-Projekt wird der erste Knoten in den USA installiert
- 1. September 1969: Geburtsstunde des Internet
- Ende 1969: vier Netzknoten in Betrieb - das ARPANET
- Wachstum und Entwicklung des ARPANET
- Das Network Control Protocol (NCP) als Vorläufer des TCP und IP
- 1968: Gründung des NSFNET
- 1971: Das erste Programm zum Versenden E-Mails in gemischten Netzwerken
- 1973: erster internationaler connect zum ARPANET
- 1982: Gründung des europäischen Ablegers EUNET
- 1983: Das ARPANET wird in militärischen Teil (MILNET) und nichtmilitärischen Teil (ARPANET) unterteilt; gleichzeitig wird auf TCP/IP umgestellt und mehrere Netze wie USENET und BITNET integriert.
- 1984: DNS - Einführung der Domain-Name-Server. Die ersten Internet-Top-Level-Domains
- 1989: Das Ende des ARPANET - jetzt heißt das Netzwerk Internet!
- 1990: Erster kommerzieller Internet-Provider in den USA
- 1991: WWW - das World Wide Web wird der internationalen Öffentlichkeit vorgestellt
- 1993: Al Gores Vision des "Information Highway" und der erste grafikfähige Browser: MOSAIC
- Das Wachstum des Internet
- Die Verantwortlichkeiten im Internet - who's who...

 

 

 

...once upon the time...

Es ist mehr als dreißig Jahre her, als die Rand Corporation (eine amerikanische "Denkfabrik") während des kalten Krieges vor folgendem Problem stand:
man benötigte zu Verteidigungszwecken ein Netzwerk, das wichtige Militär- und Verwaltungseinrichtungen sowie Städte miteinander verbindet. Die Anforderungen waren hoch, denn das Netzwerk sollte gegnerischen Atomschlägen "standhalten". Zusätzlich mußte ein solches Netzwerk kontrolliert und verwaltet werden - mit einer Netzwerk-Zentralverwaltung ein ideales Angriffsziel für einen Atomschlag!

Bereits 1957 wurde als Reaktion auf den Erfolg der sowjetischen benannten Raumfahrt (Sputnik) unter dem amerikanischen Präsidenten Eisenhower im US-Verteidigungsministerium Pentagon die ARP (Advanced Research Projects Agency) gegründet - sie sollte dafür sorgen, daß der Vorsprung der UdSSR beim Wettlauf im Weltraum aufgeholt wird; außerdem sollen die USA zur führenden Nation in der Kommunikations- und Überwachungstechnik werden.


1964 publizierte Paul Baran von der Rand Corporation in seinem Artikel "On Distributed Communications Networks" die geniale Lösung:
die Theorie über paketvermittelte Netze, also das Netzwerk ohne zentrale Leitung.
Dieses Netzwerk war so konzipiert, daß seine Einzelteile unabhängig voneinander operieren konnten, jeder Netzknoten hatte den gleichen "Status" - also die gleichen Rechte, Nachrichten zu versenden, weiterzuleiten und zu empfangen.
Jede Nachricht sollte in einzelne Pakete verpackt werden - jedes dieser Pakete bekam eine Adresse - und diese Pakete sollten ihren eigenen Weg durch das Netz finden.
Dabei ging P. Baran davon aus, daß ein Netzwerk jederzeit als unzuverlässig einzustufen sei. Jeder Netzknoten bekommt den gleichen Status: die Fähigkeit, Nachrichten zu erzeugen, zu übertragen und zu empfangen.

 

Die Adressen im Netz

Um die Nachrichten richtig zustellen zu können waren nicht nur Wege (Routes) notwendig sondern auch ein entsprechendes "Adressierungssystem". Im Internet hat jeder Rechner und jeder Knoten (Router) eine eigene eindeutige Adresse. Dies wird dadurch gewährleistet, daß Hardwarehersteller ihre Netzwerkkomponenten und Computer mit einer fest kodierten Adresse versehen (Ethernet-Adresse), die es auch nur ein einziges Mal auf der Welt gibt.
Diesen Hardware-Adressen werden dann (logische) Internet-Adressen zugeordnet, die nach dem Muster 255.255.255.255 aufgebaut sind (die Zahl 255 ist als Platzhalter für eine Zahl von 1 - 255 zu verstehen). Damit man sich die Adressen besser merken kann werden sie mit sog. "nicknames" versehen, d. h. intern wird einer Internet-Adresse z. B. der Name "Campell" zugeordnet - damit ist der Rechner unter der Bezeichnung Campell im Netz erreichbar. Dieser Service ist Teil des Domain-Name-Service (vgl. auch: wie funktioniert das Internet bzw. der Domain-Name-Service im Interent).

Die Wege der Nachrichtenpakete im Netz

Nachrichten werden in Pakete aufgeteilt und jedes einzelne adressiert und numeriert. Dann soll jedes Paket seinen Weg zum Empfänger eigenständig finden.

Bei der Übertragung werden die Nachrichtenpakete von einem Knoten zum anderen weitergereicht (gerouted) - so lange, bis sie am Ziel angelangen.
Sollten also Teile des Netzes - aus welchen Gründen auch immer - ausfallen, die Nachrichtenpakekte würden ihren Weg durch das Netzwerk über die verbliebenen Knoten nehmen.
Gleichzeitig konnte der Zielrechner vom Absender verlorengegangene oder fehlerhaft übertragene Pakete nochmals anfordern. Im Vergleich zu herkömmlichen Kommunikationssystemen (z. B. Telefon) ist dieses Verfahren vielleicht etwas umständlich, aber viel weniger störungsanfällig.

 

Die sechziger Jahre - Verbreitung der Technologie an amerikanischen Unis

Das von der Rand Corporation entwickelte Netzkonzept fand in den sechziger Jahren v. a. am Massachusets Institute of Technology (MIT) und an der University of California Los Angeles (UCLA) Aufmerksamkeit.

Leonard Kleinrock am MIT schreibt zu diesem Zeitpunkt (1962) seine Dissertation über paketvermittelnde Netze. Leiter der ARPA wird J. C. R. Licklider.

Anfang 1967 vereinbaren die Principal Investigators der ARPA, ein Protokoll zu entwerfen, das Computer in die Lage versetzt, in paketvermittelnden Netzen kommunizieren zu können.

Bereits im Oktober 1968 werden die Spezifikationen für einen Interface Message Processor (IMP) herausgegeben. Demnach wird an jeden Hostrechner ein IMP (Interface) angeschlossen, der die Kommunikation via Netzwerk regelt. Damit wird gewährleistet, daß unterschiedliche Hardware-Plattformen miteinander verbunden werden können.

Die sichere Übertragung von Nachrichtenpaketen im Netzwerk war bis zu diesem Zeitpunkt eine "amerikanische" Angelegenheit.

Aber: im Jahr 1968 testete das National Physical Laboratory - NPL (Großbritannien) das erste paketvermittelnde Netzwerk.

In den USA konzentriert man sich währenddessen auf das Resource Sharing Computer Networks-Projekt und implementiert an der Universität von Los Angeles (UCLA) den ersten Knoten; gleichzeitig konstituiert sich die Network Working Group (NWG).

Anfang 1969 bekommt die Firma Bolt, Beranek und Newman (BBN) von der ARPA den Auftrag zum Bau des ersten IMP.

Am 1. September 1969 wird das erste Interface (IMP) an der Universität von Los Angeles (UCLA) implementiert -

dies gilt als Geburtsstunde des Internet!

Zum Jahresende 1969 waren vier Netzknoten in Betrieb, die die Unis in Los Angeles, Santa Barbara und Salt Lake City sowie das Stanford Research Institute in Palo Alto miteinander verbinden und dieses Netzwerk bekam den Namen


ARPANET

 

Es handelte sich um Computer von DEC, IGM und SDS mit vier unterschiedlichen Betriebssystemen. Die Rechner konnten mittels Hochgeschwindigkeitsleitungen Daten übertragen und von den jeweilig anderen Knoten aus bedient werden. Jetzt waren Forscher in der Lage, teuere Rechnerleistung über große Entfernungen nutzbar zu machen.


Die ursprüngliche Beschränkung der Nutzung des ARPANET auf militärische Zwecke wurde bald aufgehoben.
1971 waren 15 Knoten im ARPANET
1972 waren es 37 (Vorstellung des ARPANET auf einer internationalen Konferenz) - in diesem Jahr erfolgte auch die Freigabe des ARPANET zum Forschungsnetz
1973: erster internationaler connect zum ARPANET.

Die Nutzung des ARPANET

Bereits in den ersten beiden Betriebsjahren des ARPANET wurde deutlich, daß weniger das Remote-Computing sondern die Übertragung von Nachrichten genutzt wurde: electronic mail bot Forschern die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen. Die Verbreitung an amerikanischen Unis wurde durch eine offensive Bildungs- und Forschungspolitik gestützt. Die National Science Foundation machte die Finanzierung von Netzanschlüssen davon abhängig, daß intern alle Computer-Arbeitsplätze vernetzt waren.

... Wachstum

Das ARPANET beruhte auf einer herstellerunabhängigen Topologie. Die einzige Voraussetzung war, daß die angeschlossenen Rechner eine"Sprache" verstanden, die "Network Control Protocol" (NCP) hieß. Mit fortschreitender Technologie wurde NCP zum "Transmission Control Protocol" (TCP) und "Internet Protocol" (IP) verbessert. TCP wandelt die Daten in einen Strom von Datenpaketen (Nachrichtenpakten) um, IP leitet die Pakete anhand ihrer Adressen durch die verschiedenen Knoten im Netz zu ihrem Ziel.
Anfang der achtziger Jahre wurde das militärische Netz von ARPANET abgetrennt und als eigenständiges "Military Network" (Milnet) weiterentwickelt. Vorhandene Verbindungen blieben jedoch bestehen und wurden als DARPA Internet bezeichnet; hieraus wurde später das Internet. Zur gleichen Zeit kamen viele firmeneigene Netze, bestehende Uni-Netze, öffentliche Netzwerke wie UUCP (weltweites Unix-Netzwerk) sowie Usenet (User's Network) und BITNET (Because it's time Network) sowie CSNET (Computer + Science Network) hinzu.
Diese Netzwerke waren nicht Bestandteil des Internet, lieferten aber "Brücken" als Übergang.

Die Gründung des NSFNET 1968

Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Entwicklung des Internet war die Gründung des National Science Foundation Network (NSFN) 1968. Durch fünf große Rechenzentren wurden die bestehenden Netzinfrastrukturen in den gesamten Vereinigten Staaten miteinander verbunden.
Im Lauf der Zeit kamen immer mehr Behörden und Organisationen dazu, u. a. die NASA.
Das Netz wurde in sechs Internet-Domains aufgeteilt, die folgende Kennungen haben:

.GOVRegierungseinrichtungen
.MILMilitärische Einrichtungen
.EDUEinrichtungen des Bildungswesens
.NETNetzwerk-Organisationen
.ORGNicht-Regierungs-Organisationen (NGO's)
.COMKommerzielle Einrichtungen

 

Gleichzeitig wurde der Domain-Name-Service implementiert.

 

Das Ende des ARPANET

Offiziell wurde das ARPANET 1989 beendet - die Internet-Benutzer übernahmen alle Funktionalitäten und entwickelten sie weiter: TCP/IP ist heute globaler Standard!

... die 90er Jahre

Unter der Regierung von Bill Clinton wurde 1993 ein 5-Punkte-Programm verabschiedet, das den freien Zugang für alle Bürger zum Internet zum Ziel hat. Al Gores Vision vom "Information Highway" gab dem Internet-Wachstum eine völlig neue Dynamik.

 

Das Wachstum des Internet

Die Erschließung des World-Wide-Web durch grafische Browser haben ein unvorstellbares Wachstum sowohl auf der Anbieterseite (Webserver und Domains) als auch auf der Nutzerseite (Internet-Nutzer) zur Folge. Aktuelle Zahlen zum Wachstum des Internet vom Internet Software-Consortium. Daneben gibt es auch direkte Befragungen via Internet - die bekannteste ist wohl die regelmäßig durchgeführte von User-Befragung der Georgia-University weiteres Zahlenmaterial kommt von IDC .

 

Verantwortlichkeiten im Internet

Die Internet Society (ISOC) ist die Mitgliedsorganisation von Internet-Experten, die für die Koordination und Steuerung der Aktivitäten der verschiedenen Organisationen und der Policy im Internet verantwortlich ist.

Das Internet Architecture Board (IAB) - ranghöchstes Gremium - ist verantwortlich für die Gesamt-Architektur des Internet.
Das IAB formuliert Richtlinien für die "Internet Engineering Task Force" (IETF) vgl. unten. Das IAB berät die Internet-Society (ISOC) auch in technologischen Fragen.

Die Internet Engineering Task Force (IETF) ist verantwortlich für das Engineering und die Fortentwicklung des Internet-Protokolls - die Sitzungen des IETF sind öffentlich. Ergebnisse werden in den sog. RFCs (Request for Comments) veröffentlicht.

Die Internet Research Task Force (IRTF) ist zuständig für Forschungsförderung zur Fortentwicklung des Internet. Die IRTF formuliert wichtige Forschungsthemen zu Fragen des Internet-Protokolls, der Internet-Anwendungen, der Internet-Architektur und -Technologie und ist für die Zusammensetzung der Forschungsgruppen verantwortlich.

Die Internet Engineering Steering Group (IESG) ist für das technische Management des IETF und die Standardisierungsprozesse verantwortlich.

Die Internet Society (ISOC) ist die Mitgliedsorganisation von Internet-Experten, die für die Koordination und Steuerung der Aktivitäten der verschiedenen Organisationen und der Policy im Internet verantwortlich ist.

Das WorldWideWeb Consortium (W3C) ist verantwortlich für die Entwicklung des World-Wide-Web. Das W3C ist Hersteller-unabhängig und entwickelt Spezifikationen und Referenz-Software, die weltweit frei zugänglich sind.

NOC und NIC: NICs (Network Information Centers) und NOCs (Network Operation
Centers) sind die ausführenden Organisationen, die auf weltweiter, kontinentaler, nationaler und regionaler Ebene existieren. Aufgabe einesNIC ist die Vergabe und Koordination von eindeutigen Adressen und Namen im Internet. Ein NOC kümmert sich um den Betrieb des Netzes, wie z. B. die Konfiguration der Netzkomponenten (z. B. Router), die Behebung von Netzfehlern und die Beratung und Koordination der Netzteilnehmer.

 

 

 

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